Chirurg 2013 . 84:327 DOI 10.1007/s00104-013-2492-1 Online publiziert: 13. März 2013 @ Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

H. Dralle . M. Elwerr

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale), Medizinische Fakultät, Halle (Saale)

Nebennierenkarzinom

Laparoskopische vs. offene Adrenalektomie

Originalpublikation

Miller BS, Gauger PG, Hammer GD, Doherty GM (2012) Resection of adrenocortical carci- noma is less complete and local recurrence occurs sooner and more often after laparo- scopic adrenalectomy than after open adre- nalectomy. Surgery 152:1150-1157

Hintergrund und Fragestellung

Nebennierenkarzinome (ACC) sind sel- ten (ca. 2 auf 1.000.000), sie haben eine überwiegend schlechte Prognose nicht nur wegen der Häufigkeit von Fernmetas- tasen, sondern auch wegen eines beträcht- lichen Lokalrezidivrisikos. Der lokal-radi- kalen Resektion einschließlich lokoregio- naler Lymphknotendissektion kommt da- her prognostische Bedeutung zu [1]. Da Nebennierentumoren heute bevorzugt endoskopisch operiert werden, ACC je- doch laborchemisch und bildgebend nicht immer präoperativ von benignen Tumo- ren zu unterscheiden sind, ist Gegen- stand der kontroversen Diskussion, ob das endoskopische Vorgehen möglicherweise einen Risikofaktor für Lokalrezidive oder eine peritoneale Karzinose darstellt [2]. Die vorliegende Untersuchung sollte klä- ren, ob beim ACC-Stadium I bis III unter kurativer Intention das laparoskopische Vorgehen nachteilig für das Outcome der Patienten ist.

Methoden

Von 156 im Zeitraum von 2005 bis 2011 operierten ACC-Patienten wur- den die Rezidiv- und Überlebenszeiten

nach laparoskopischer (n=46) bzw. offe- ner (110) Adrenalektomie analysiert. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 27 Monate (1-189). Nur 8 der primär laparo- skopisch operierten Tumoren waren klei- ner als 6 cm.

Ergebnisse

Im am häufigsten vorkommenden Sta- dium II (54%) wurden 35% der Patien- ten laparoskopisch operiert. Der Anteil Patienten mit Resektion umgebender Or- gane und Gefäße betrug 31% in der offe- nen, 0% in der laparoskopischen Gruppe. 30% der laparoskopischen Gruppe hat- ten eine R1-Resektion oder intraoperative Tumorzellverschleppung. Bei den R0-re- sezierten hatten im Falle eines Rezidivs 95% der laparoskopischen gegenüber 58% der offen operierten Patienten das Rezi- div im Tumorbett oder Peritoneum. Die Zeit bis zum Auftreten des Lokalrezidivs war nach laparoskopischer Operation si- gnifikant kürzer als nach offener Opera- tion. Im Stadium II war nicht nur das Ge- samtüberleben, sondern auch das Überle- ben nach R0-Resektion nach offener Ope- ration signifikant länger als nach laparo- skopischer Operation. Im Stadium III be- standen keine Outcome-Unterschiede hinsichtlich des operativen Zugangs.

Fazit

- Nebennierentumoren größer als 5 cm und auffälliger Bildgebung soll- ten primär offen operiert werden, da das Malignitätsrisiko signifikant grö-

ßer ist als bei Tumoren <5 cm, und bei Vorliegen eines ACC im Stadium II die Prognose besser ist als nach laparo- skopischen Vorgehen.

- Für ACC im Stadium I und III ist der chirurgische Zugangsweg wahr- scheinlich von untergeordneter Be- deutung für das Überleben.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Dr. h.c. H. Dralle Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale), Medizinische Fakultät, Ernst-Grube-Str. 40, 06097 Halle (Saale) henning.dralle@uk-halle.de

Interessenkonflikt. Der korrespondierende Autor gibt für sich und seinen Koautor an, dass kein Interes- senkonflikt besteht.

Literatur

1. Reibetanz, Jurowich C, Erdogan I et al (2012) Im- pact of lymphadenectomy on the oncologic out- come of patients with adrenocortical carcinoma. Ann Surg 255:363-369

2. Brauckhoff M, Varhaug JE, Hauptmann S et al (2012) Peritoneal carcinosis in apparently benign cortisol producing adrenal adenoma ≥5 cm in dia- meter: the need of regular postoperative surveil- lance. Exp Clin Endocrinol Diabetes 120:472-476